Über Pirmin Breu, Graffitikünstler und Vater meiner workbalance-Figur, gabs kürzlich eine gelungene Reportage im Schweiz aktuell von SF. Da spricht einer, der permanent in Bewegung ist und sich auseinandersetzt mit Gott und der Welt. Einer, der nicht versucht, seinen Affenkäfig im Kopf auf der Yogamatte zu zähmen, sondern in seiner Kunst katalysiert.
Oliver Mannel ist jemand, dem man gerne zuhört, denn er redet nicht einfach, er spricht. Der Stimmlehrer und Dozent für Sprechen an der Zürcher Hochschule der Künste unterrichtet seit 15 Jahren «Menschen, die etwas zu sagen haben». Seit einem Jahr vertieft er bei mir seine Yogapraxis und ich höre in seinem Unterricht dem Klang meiner Stimme zu.
«Ihre Stimme ist vielleicht der wichtigste Klang in Ihrem Leben. Denn durch Ihre Stimme kann die ganze Vielfalt Ihrer Gedanken, Gefühle und Absichten hörbar werden und Ihren Gesprächspartner oder Ihr Publikum tatsächlich berühren und bewegen. Je mehr von Ihnen selbst in Ihrer Stimme und Sprechweise mitschwingt, desto wirkungsvoller können Sie kommunizieren.»
Oliver Mannelbietet neu Einzelcoachings und Workshops an.
Unser Oberkörper hat zwei Pole, Kopf und Becken, und dazwischen stützt die Wirbelsäule. Im Bild links liegen die Pole näher beieinander. Wie sieht das aus? Eng, gestaucht, die Schwerpunkte verschoben?
Im Bild rechts dreht sich der Kopf nach hinten oben, das Becken nach hinten unten. Was passiert? Der Nacken verlängert sich nach oben, der untere Rücken nach unten. Die Wirbelsäule richtet sich auf, Bandscheiben und Wirbelgelenke bekommen Luft, die Lunge auch.
Jetzt versteh ich, warum das Denken sich in der Haltung widerspiegelt und umgekehrt. Und warum Patanjali sagt: Die ideale Haltung erzeugt grosses Wohlbefinden.
Die workbalance-Kurse im Mai/Juni 2010 widmen sich dem dritten Aspekt des achtfachen Yogapfades, den Asanas oder Körperstellungen.
Im Asana begegnen wir uns selber. Wir lernen, ehrlich zu sein und die eigenen Grenzen zu respektieren. Mit Körperbewusstsein und mit allen nach innen gerichteten Sinnen nehmen wir eine Yogastellung ein. Wir verweilen in ihr mit wachem Geist und höchster Konzentration. So schulen uns Asanas in klarem Sehen, Denken und Handeln. Mit Geduld und Hingabe erreichen wir den Grad von Klarheit, der uns hilft, authentisch zu sein und ein ausgeglichenes Leben zu führen.
Mit den Worten von Christian Morgenstern:
Der Körper ist der Übersetzer der Seele ins Sichtbare.
Der fünfte Aspekt des achtfachen Pfades ist Pratyahara, das Zurückziehen der Sinne. Durch die ersten vier Aspekte - Yama, Niyama, Asana und Pranayama - erlange ich die Beherrschung des Körpers und seiner Energien. Ich werde sozusagen zum Lenker meines Fahrzeugs. Im fünften Aspekt lerne ich, meine Sinne wie sehen, hören, riechen, schmecken und fühlen zurückzuziehen. Das Zurückziehen bedeutet nicht, dass ich mich abschotte von der Welt. Denn die Sinne sind wichtig für unser Leben und Überleben, sonst hätte sie die Natur nicht geschaffen. Aber wie ich mit ihnen umgehe, ist entscheidend. Wir alle kennen das aus eigener Erfahrung: Wenn ich ängstlich bin, unruhig oder überflutet von Reizen, reagiere ich viel empfindlicher auf Geräusche, auf schnelle Bewegungen, auf Wärme und Kälte. Neben mir kann ein Mensch sitzen, an dem das alles vorbeizieht. Und der seine Sinne gezielt dann einsetzt, wenn er sie braucht, um zu handeln.
Iyengar sagt, dass sich der Geist und die Sinne von den Wahrnehmungsvorgängen freimachen, um sich der Seele zuzuwenden und sich am Spirituellen zu erfreuen. Hier kommen die ersten vier Stufen des achtfachen Pfads ins Spiel: Denn was, wenn ich mich abwende von der Unruhe der Aussenwelt und in meiner Innenwelt ist genauso viel Unruhe? Zuerst lerne ich also durch Yoga, den Geist, meinen Körper und meine Emotionen zu kontrollieren. Dann bin ich bereit für den Aspekt des Pratyahara.
So wie wir Abneigungen hegen gegen gewisse Dinge, spüren wir ein starke Zuneigung zu anderen Dingen, weil wir glauben, dass sie uns glücklich machen.
Patañjalis Yoga Sutra
Fälschlich darauf zu bauen, dass uns ein Objekt Glück bringt, ist blinde Zuneigung.
Diese Prägungen und deren Wechselwirkung haben wir am letzten Workshop erforscht. Es ist erstaunlich, wie wir gesteuert sind von solchen Denk- und Erfahrungsmustern. Sie zu erkennen und aufzulösen, das ist Freiheit.
PS. An alle Yoginis vom letzten Workshop: Lea hat am Samstagabend zum ersten Mal in ihrem Leben ein Stück Tintenfisch probiert, wohlgemerkt eins ohne Saugnäpfe!
Fälschlich darauf zu bauen, dass uns ein Objekt Unglück bringt, ist blinde Abneigung.
Oder: Abneigung ist das, was im Schmerz verweilt.
Wir lehnen Dinge ab und meiden Situationen, weil wir glauben, dass sie uns Schmerz oder Unglück bringen.
Oft verstehen wir Dinge erst, wenn wir reif sind dafür. Ich glaube, ich bin langsam reif für dieses Sutra. Da fällt mir ein, was in den Anfängen meines Yogaweges ein Lehrer zu mir sagte, als ich mit schmerzverzerrtem Gesicht und angespannter Muskulatur versuchte, eine Yogaposition auszuhalten: “Dein Schmerz kommt nicht von dieser Yogaposition, der Schmerz ist schon in dir. Anders gesagt:
Abneigung ist das Festhalten am Leiden.
Wenn der Körper schmerzt, halten wir den Atem an, spannen die Muskulatur an - statt durchzuatmen und loszulassen.Ein anderer Guruji sagte dazu: Geh in den Schmerz hinein und über ihn hinaus. Finde auch im Unbehagen zum Behagen.
Wer das Sitzen in der Stille üben möchte, der tut es am besten über die Japa-Meditation: den Geist nicht wie einen Hund ohne Leine herumstreunen lassen, sondern ihn anbinden an ein Mantra. Hier ein paar Vorschläge, natürlich gehts auch mit Eigenkreationen:
der eigene Atem ist ein starkes Mantra, vor allem die Ujjayi-Atmung, ein sanfter Verschluss in der Kehle, der ein inneres Rauschen erzeugt, das den Geist bindet
«OM» (gesprochen aum) – Ursprung der Schöpfung; Ausdruck des Absoluten; Verbindungspunkt zwischen absoluter und relativer Welt; Träger aller Daseinsebenen; Manifestation der spirituellen Kraft … und einfach ein schöner Klang
«so’ ham» – Ich bin, der ich bin. Leitet sich ab von Sah = Er / Aham = Ich-Er, was dann, schon beinahe ketzerisch, bedeutet: Der unsterbliche Geist bin ich.
«om namah shivaya» – Ehre sei dem Shiva oder: Ich verneige mich vor der ewigen Wahrheit